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4 Tipps für EAM im Mittelstand

Posted by André Christ on 26 February 2014

Thomas Mannmeusel, CIO von Webasto SE, gibt Tipps, wie EAM im Mittelstand eingeführt werden kann


Das Management der Unternehmensarchitektur (EAM) wird immer noch als Thema gesehen, welches ausschließlich große Unternehmen betrifft. Dabei kann es sich der Mittelstand in Zukunft nicht erlauben EAM zu ignorieren. Der internationale Wettbewerb erfordert von mittelständischen Unternehmen mehr denn je auf dynamische Marktentwicklungen reagieren zu können. Dies ist nur möglich, wenn die Unternehmen ihre IT beherrschen.
Die gute Nachricht ist: Gerade im Mittelstand ist es auch mit kleinem Budget möglich, Enterprise Architecture Management so zu betreiben, dass es konkrete Resultate liefert.

Warum hinkt der Mittelstand hinterher?

Doch nur wenige mittelständische Unternehmen managen ihre Unternehmensarchitektur bisher aktiv. Das liegt vor allem an besonderen Hindernissen für EAM im Mittelstand. Da EAM Aktivitäten vor allem mittel- und langfristig wirken, mittelständische Unternehmen sich aber typischerweise durch hohen Pragmatismus und Agilität auszeichnen, wird häufig kein Handlungsbedarf gesehen. Wenn es dann zu radikalen Veränderungen kommt (z.B. durch disruptive Technologien oder aber auch einen Merger), ist ein EAM Programm Gold wert. Ein weiteres Hindernis ist, dass EAM Aktivitäten gerade das Zusammenspiel von Business und IT fördern, aber vom Business oft nicht akzeptiert werden. Da in der Initialisierungsphase oft technische Lösungsverfahren im Mittelpunkt stehen, geht für alle nicht-technischen Bereiche ein hoher „Abschreckungseffekt“ von EAM Programmen aus. Verschlimmernd kommt hinzu, dass die verwendete Terminologie in technischen Begriffen verfangen bleibt und das Business somit nicht versteht, wie es denn tatsächlich von den Programmen profitieren soll. Daraus folgt die Gefahr, dass EAM Programme abgebrochen werden oder als Silo weiterbestehen.

Tipps für die erfolgreiche Umsetzung

Diese Hindernisse stellen jedoch keinen Grund dar, die Einführung von EAM weiter aufzuschieben. Vielmehr müssen Sie folgende Aspekte beachten:

- Machen Sie die Vorteile klar
Nur wenn auch die nicht-technischen Unternehmensbereiche verstehen, wie sie von EAM profitieren, sind EAM Programme erfolgsversprechend. Stellen sie hierzu die Bedürfnisse des Business in den Mittelpunkt. Erst durch EAM ist es möglich die IT Anwendungen auf Unternehmensziele auszurichten. Anwendungen, Technologien und Services können wirtschaftlich eingesetzt werden und Technologie- und Datenschutzrisiken werden überschaubar und damit behandelbar. Die Komplexität der IT kann reduziert werden. Das bedeutet Flexibilität und dadurch mehr Freiräume für Innovationen.

- Vermeiden Sie den technischen Fokus
An erster Stelle muss der Nutzen des Unternehmens stehen. Widmen Sie sich konkreten Fragestellungen aus dem operativen Geschäft des Business‘ (zum Beispiel: „Wie erreichen wir weitere Zielgruppen im Onlinehandel?“ oder „Wie können wir einen Vertrieb im Ausland unterstützen?“). Diskussionen über Methoden und Frameworks haben hier nichts zu suchen. Idealerweise vermeiden Sie den Begriff „Enterprise Architecture Management“ vollständig, wenn Sie mit Ihren Fachbereichskollegen oder der Unternehmensleitung sprechen. „Bebauungsplanung“ ist wesentlich eingehender und beschreibt auch IT Laien gegenüber verständlich, was Sie meinen.

- Seien Sie pragmatisch
In mittelständischen Unternehmen werden sie kaum einen Unternehmensarchitekten haben, der sich umfangreich, um alle Details kümmern kann. Das macht überhaupt nichts! Im Vergleich zu großen Unternehmen ist ihre Unternehmensarchitektur auch weniger komplex. Setzen Sie stattdessen auf die Nutzung vieler Ressourcen (Crowdsourcing) und beschränken Sie sich auf die Erhebung von Informationen, die für das alltägliche Geschäft relevant sind. Dazu gehört die Beantwortung von Fragen wie: Welche Geschäftsprozesse werden durch welche Anwendungen unterstützt? Wie gut ist die funktionale Abdeckung? Wo gibt es Lücken in der Abdeckung? Wo gibt es Überlappungen? Wie werden sich die Geschäftsprozesse in den kommenden 2-5 Jahren verändern? Dadurch ist auch die Erhebung einfach und kann von nicht-technischen Mitarbeitern ausgeführt werden. Für die einzelnen Fachbereiche bedeutet das in der Regel nur wenige Manntage an Arbeit. Dadurch kommt man schnell zum eigentlich wichtigen Schritt des Programms: Der Analyse- und Bewertungsphase.

- Bestimmen Sie klare Verantwortlichkeit
EAM soll eine ganzheitliche integrierte Sicht auf alle wesentlichen Unternehmensbereiche liefern. Dadurch muss es einen zentralen Punkt geben, an dem das Wissen zusammenläuft und von dem aus das Zusammenspiel der Geschäftsprozesse, Anwendungen und der Aufbauorganisation bewertet werden kann. Bestimmen Sie also den verantwortlichen Manager für Enterprise Architecture. Sehr häufig wird es sich um eine Person aus der IT Abteilung handeln. Dieses ist jedoch nur eine mögliche Option, denn die Einbindung der betroffenen Unternehmensbereiche darf nicht vernachlässigt werden. Die Orientierung am Geschäftsnutzen und die operative Umsetzung von Zielarchitekturen machen eine enge Zusammenarbeit aller betroffenen Einheiten notwendig.


Dieser Blogbeitrag basiert auf meiner genaueren Darstellung in folgenden Veröffentlichung:

Mannmeusel, Th.: EAM im Mittelstand. In: Keuntje, Barkow (Hrsg.): Enterprise Architecture Management in der Praxis: Wandel, Komplexität und IT-Kosten im Unternehmen beherrschen, Düsseldorf 2010
Mannmeusel Th.: Management von Unternehmensarchitekturen in der Praxis: Organisatorische Herausforderungen in mittelständischen Unternehmen. In: C. Suchan, J. Frank, Analyse und Gestaltung leistungsfähiger IS-Architekturen, Berlin Heidelberg 2012


Dr. Thomas Mannmeusel ist seit 2009 als CIO bei dem Automobilzulieferer Webasto SE, Stockdorf verantwortlich für IT-Strategie, Entwicklung und Betrieb der globalen IT-Landschaft. Zuvor hatte er verschiedene Führungspositionen in den Bereichen IT, Personal und Supply Chain Management bei ADVA AG Optical Networking und Infineon Technologies AG inne. Er war dort u.a. zuständig für IT-Strategie-, Innovations- und Architekturmanagement, Geschäftsprozessmanagement, Business Intelligence, sowie Projektleiter für Supply Chain Management und Advanced Planning Systeme.

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